
Die Abbildung stellt Aufbau, Überschneidungen und unterschiedliche Schwerpunkte der beiden Modelle gegenüber.
Der Medienkompetenzrahmen NRW (MKR) und die 21st Century Skills sollen Lernende in einer digital geprägten, veränderlichen Welt handlungsfähig machen. Dennoch sind sie nicht deckungsgleich: Der MKR beschreibt Kompetenzen für einen sicheren, kritischen und kreativen Umgang mit Medien. Das Modell des World Economic Forum (WEF) fragt umfassender nach fachlichen, überfachlichen und persönlichen Fähigkeiten.
Der Medienkompetenzrahmen NRW gliedert Medienkompetenz in sechs Bereiche mit je vier Teilkompetenzen: Bedienen und Anwenden, Informieren und Recherchieren, Kommunizieren und Kooperieren, Produzieren und Präsentieren, Analysieren und Reflektieren sowie Problemlösen und Modellieren. Zu den 24 Teilkompetenzen gehören etwa Datenschutz, Quellenbewertung, Cybergewalt, Urheberrecht, selbstregulierte Mediennutzung, Programmieren und algorithmische Einflüsse. Der Rahmen ist damit konkret auf digitale Medienwelten ausgerichtet.
Das World Economic Forum ordnet in New Vision for Education 16 Kompetenzen drei Gruppen zu. Die Foundational Literacies umfassen sprachliche, mathematische, naturwissenschaftliche, digitale, finanzielle sowie kulturelle und staatsbürgerliche Grundbildung. Die Competencies sind kritisches Denken und Problemlösen, Kreativität, Kommunikation und Kollaboration. Die Character Qualities umfassen Neugier, Initiative, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit, Führung sowie soziales und kulturelles Bewusstsein. Das Modell blickt damit über Medienbildung hinaus.
Die größte Schnittmenge liegt bei Information, Kommunikation, Zusammenarbeit, Gestaltung und Problemlösung. Die kritische Bewertung digitaler Quellen verbindet die MKR-Bereiche 2 und 5 mit „Critical Thinking“. Ein gemeinsam erstelltes Medienprodukt verknüpft die Bereiche 3 und 4 mit Kommunikation, Kollaboration und Kreativität. Bereich 6 überschneidet sich mit ICT Literacy und Problemlösen. Es handelt sich jedoch um Näherungen, weil die Kategorien unterschiedlich zugeschnitten sind.
Der MKR ist bei digitalen Risiken, Rechten und Funktionsweisen genauer. Datenschutz, Cybergewalt, Urheberrecht, Algorithmen und selbstregulierte Mediennutzung besitzen im WEF-Modell keine eigenen Kategorien. Die 21st Century Skills sind dafür breiter: Numeracy, Financial Literacy und Eigenschaften wie Neugier, Initiative, Ausdauer, Anpassungsfähigkeit oder Führung liegen außerhalb des engeren MKR-Auftrags oder werden dort nur indirekt berührt. Der MKR ist somit kein vollständiges Zukunftskompetenzmodell; die 21st Century Skills sind kein detaillierter Medienkompetenzrahmen.
Eine praktische Verbindung bietet Deeper Learning der Heidelberg School of Education: Fachwissen wird mit Kommunikation, Kollaboration, kritischem Denken und Kreativität verbunden; digitale Medien unterstützen Recherche, Problemlösung und Präsentation. Der Podcast mit Anne Sliwka vertieft diesen Ansatz.
Ein mögliches Unterrichtsbeispiel wäre die Prüfung eines KI-generierten Social-Media-Beitrags. Lernende recherchieren die verwendeten Quellen und bewerten Absichten (MKR 2), untersuchen Meinungsbildung und mögliche algorithmische Verbreitung (MKR 5 und 6), diskutieren ihre Ergebnisse im Team (MKR 3) und erstellen einen adressatengerechten Faktencheck (MKR 4). Gleichzeitig üben sie kritisches Denken, Kreativität, Kommunikation, Kollaboration, Initiative und Anpassungsfähigkeit.
Mein Fazit: Die Modelle konkurrieren nicht, sondern ergänzen sich. Der MKR beschreibt präzise, was verantwortliches Handeln in digitalen Medienwelten verlangt. Die 21st Century Skills erweitern diesen Blick um fachliche Grundbildungen und persönliche Handlungsfähigkeit. Zeitgemäßer Unterricht benötigt beides: digitale Urteilskraft und die Fähigkeit, Wissen gemeinsam, kreativ und verantwortungsvoll auf neue Probleme anzuwenden.
Quellen
- Medienberatung NRW (2020): Medienkompetenzrahmen NRW. https://medienkompetenzrahmen.nrw/fileadmin/pdf/LVR_ZMB_MKR_Rahmen_A4_2020_03_Final.pdf
- World Economic Forum (2015): New Vision for Education. Unlocking the Potential of Technology. https://www3.weforum.org/docs/WEFUSA_NewVisionforEducation_Report2015.pdf
- Heidelberg School of Education (o. J.): Was ist Deeper Learning? https://hse-heidelberg.de/hsedigital/hse-digital-teaching-and-learning-lab/deeper-learning-initiative/was-ist-deeper-learning
- Expertinnen zu Gast* (2024): „Heute mit Prof.in Dr.in Anne Sliwka zum Thema Deaper Learning“, 02.09.2024. Spotify. https://open.spotify.com/episode/6pDvVun0NzH7klVvX6bYlo